Ducati Top Gas Dragster 1995-2001

 

 

Autor: Angela Wittenzellner

 

Part 1:

Wir schreiben das Jahr 1994. Eine Zeit ohne Twitter und Facebook, auch elektronische Einspritzanlagen bei Motorrädern steckten noch in den Kinderschuhen. Aber selbst diese analoge Zeit hielt tolle Momente bereit. Drag-Racing stand als Projekt auf dem Plan und Günters beruflicher Background stellte sicher, dass dieses auf Ducati Basis ablaufen sollte. Die passende Klasse war schnell gefunden. Super Twin Top Gas war die perfekte Plattform für den Ducati-Dragster. Statt Meter wurde nun in Meilen gemessen und die ¼ Meile als Maß aller Dinge angenommen. Auf die Plätze fertig los !!!

 

Das Team war schnell gefunden. Es bestand aus guten Freunden, technischem Sachverstand, organisatorischen Spezialisten und einem perfekten „Piloten“.

technischer Sac...
technischer Sachverstand von Nöten technischer Sachverstand von Nöten
organisatorisch...
organisatorische Spezialisten am Werk organisatorische Spezialisten am Werk
perfekter Pilot...
perfekter Pilot in Aktion perfekter Pilot in Aktion

 

War diese Klasse 1994 noch von fetten Milwaukee Twins dominiert so fiel das Diabolo Race Team dank seiner eleganten schlanken Bauweise sofort auf und wurde anfangs sicherlich (noch) ein wenig belächelt.

Milwaukee Twins...
Milwaukee Twins vs. Ducati Milwaukee Twins vs. Ducati
Arno mit Harley
Arno mit Harley Arno mit Harley
Schweik auf Har...
Schweik auf Harley Schweik auf Harley

 

Spätetens nach dem ersten 8 Sekundenlauf in Hockenheim war damit aber schnell Schluß. Nun wurde auch den restlichen Teams klar, dass hier ernsthafte Konkurrenz am Start war.

Hockenheim 1
Hockenheim 1 Hockenheim 1
Hockenheim 2
Hockenheim 2 Hockenheim 2
Hockenheim 3
Hockenheim 3 Hockenheim 3

 

Von der normalen Strassenampel zum christmas tree

Wer kennt Sie nicht ? Die guten alten Zweikämpfe zweier Freunde mit ähnlich starken Bikes.

Günter war schon früh klar, dass echte Zweikämpfe am Besten auf einer professionellen Strecke auszutragen sind. Die Bauvorschriften in dieser Klasse waren super simpel.

 

- Nur 2 Zylinder Motoren

 

- Nur mechanische Aufladung erlaubt (Turbolader oder Kompressor)

 

- Handelsübliches Benzin und sonst nichts

 

Ab 1995 wurde die Meisterschaft in dieser Klasse europaweit ausgetragen. 10 Teams aus 4 Ländern stellten sich dem so uralten Zweikampf: „wer zuerst da ist - hat gewonnen“. Klingt einfach war es aber überhaupt nicht. Kaum Möglichkeiten zu trainieren und meist nur 3 Qualifikationsläufe um die perfekte Einstellung für die jeweilige Strecke zu finden. Da musste schon eine Menge Know How und Fingerspitzengefühl zum Einsatz kommen.

Die ersten Renn...
Die ersten Rennen 1 Die ersten Rennen 1
Die ersten Renn...
Die ersten Rennen 2 Die ersten Rennen 2
Die ersten Renn...
Die ersten Rennen 3 Die ersten Rennen 3

 

Part 2:

Motorräder hatten Günter Retsch schon immer fasziniert und als die Anfrage von einem alten Kollegen kam das Dragster-Team als Mechaniker zu ergänzen wurde nicht lange gezögert. Nach einigen Rennen als Mechaniker war klar, dass er seinen eigenen Dragster bauen wollte und dieses natürlich auf Basis einer geliebten Ducati.

Gesagt getan !! Mit Unterstützung alter Freunde wurde das Projekt Ducati Top Gas Bike geboren und schon im Winter 1993/1994 stand das gute Stück race ready in der Garage.  Als erstes Testszenario wurde ein Showlauf auf einer Motorradveranstaltung in Speyer absolviert. Nun war klar Motor hält und es geht schnurgerade aus. Damit war der Einstieg in den Rennsport gemacht. Bereits auf dem ersten Rennen der europäischen Meisterschaft 1994 konnte, wenn auch mit ein wenig Glück, der erste Platz eingefahren werden.

Neben all den „dicken“ Harleys zeigte sich die Ducati als elegant und zugleich bissig genug den Milwaukee „Eisen“ den Kampf anzusagen. Viele 2. Und 3. Plätze brachten dem Team grenzenlosen Respekt der restlichen Klasse entgegen und schwups wurde über weitere Modifikationen nachgedacht.


Natürlich blieb auch bei Günter der Wunsch nach noch mehr Leistung nicht unerfüllt und bereits 1995 stieg das Team auf einen 888cm 4-Ventil Ducati Motor um. Dieses etwas andere Motorkonzept wurde dann 1996 noch flugs um einen Turbolader erweitert und von Rennen zu Rennen verfeinert. Ein speziell für den Rennsport in Finnland entwickeltes Motormanagement der Firma HESTEC sorgte für bessere Zeiten und einige 1. Plätze. Wie sagt man doch so schön: „wer rastet der rostet“. Ein solches Dragster-Projekt ist einem ständigen Prozess unterzogen. Damit dieser Prozess auch hier nicht unterbrochen wurde kamen Günter und sein Team zu der Entscheidung, den Dragster mit Hilfe eines noch grösseren Turboladers weiterzuentwickeln. Dass die Ideen dieses Teams gut waren zeigte sich 1998. Mit der ersten 8 Sekunden Zeit (8,87) war der Beweis angetreten und ein 2.Platz in Hockenheim der Dank. Man möge kurz erwähnen, dass dieser 2. Platz mit geplatzten Turboladerschlauch kurz vor dem Ziel eingefahren wurde.


Bereits ein Jahr und eine neuen Schlauch später wurde die viele Arbeit belohnt. Auf Europas grösstem Dragster Event in Hockenheim gab es Standing Ovation für den schönsten und spannensten Lauf der italienischen Diva. Endlich konnte dieser wichtige 1.Platz gefeiert werden.

Im Laufe dieser vielen Jahre wurden fast alle mechanischen Komponenten verbessert. Dies führte dazu, dass das Fahrwerk den Anforderungen nicht mehr gewachsen war und der Bau eines neuen Rahmens ein zwingender nächster Schritt gewesen wäre. Das Diabolo Team war an einem Scheideweg angekommen. Ein neues Fahrwerk hätte immensen Zeit- und Geldaufwand bedeutet.  Doch viel war auch privat beim Team passiert (Kinder, Hochzeiten)und so entschied man sich schweren Herzens nach fast 10 Jahren die Dragsterszene zu verlassen.

 

Team ist Team und Freundschaft hört nicht auf. Daher fuhr man nun lieber gemeinsam regulär auf der Strasse und ab und zu auch ein wenig Rundstrecken und Supermoto. Der Film „The worlds fastest Indian“ hat den alten Motorsport Virus erneut zu Leben erweckt und Dank der alten und vielen neuen Freunden war klar: „wir bauen die weltweit schnellste Ducati". Ein tolles Projekt was nur mit Hilfe vieler Freunde, vieler Sponsoren und vielen Arbeitsstunden machbar ist.

First Asphalt – Now Salt – see you all at Bonnevilles racetrack!

 

weitere Impressionen