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25.10.2014 Mit Vollgas gesund werden

Autor: Roland Spether

Achern. „Ich wurde ziemlich heftig ausgebremst, aber es geht wieder aufwärts“. Der „Sound“ bei Günter Retsch vom „More-Salt-Team“ klingt in bester Racer-Manier sehr hoffnungsvoll und zuversichtlich, nachdem er – wie berichtet – am 28. August 2014 auf dem legendären Salzsee von Bonneville in den USA mit circa 270 Stundenkilometern einen heftigen Sturz hatte und mit schweren Verletzungen in eine Klinik in Salt Lake City geflogen werden musste.

„Ich bin sehr dankbar für die viele und gute Unterstützung in Amerika und jetzt hier zu Hause“, meint Günter Retsch, der mit der „Diva“ in den 200-Meilen-Club fahren wollte, voller Erwartungen war und mit dem Rennteam einen so nicht eingeplanten Boxenstopp einlegen musste. „Das kann passieren, das ist vielen anderen Racern auch schon so ergangen“, weiß Günter Retsch, der sich bei den Freunden und Sponsoren für die sehr gute Unterstützung und das ermutigende „Mitfahren“ bedankt. Zwei Jahre Organisation, Umbauten, technische Abstimmung, Events und viele Tests lagen hinter dem Team, das am 8. August 2014 in Bonneville eintraf. Im „Sprinter“ stand die neu überarbeitete „Diva“, und im Gepäck hatte das Team den FIM-Weltrekord (Federation Internationale de Motocyclisme) mit 169,047 Meilen (272,272 Stundenkilometer) auf der „fliegenden Meile“ und den Nationalen AMA-Rekord in der Zweizylinder-Klasse bis 1 000 Kubikzentimeter. Die Hoffnungen auf mindesten 201 Meilen für das primäre Ziel waren groß und berechtigt, denn dasTechnik-Team hatte eine enorme Arbeit geleistet und von Test im Audi-Windkanal bis zu Runs auf dem Flugplatz in Bremgarten standen die Ampeln auf Grün. Doch „Mutter Natur“ versalzte dem Team und allen anderen Racern gehörig die Suppe, denn es regnete in Strömen, und die zum „Einrollen“ und Feintuning vorgesehenen Rennen bei der „Speedweek“ fielen nach der kompletten Absage buchstäblich ins Wasser. Nun lagen alle Hoffnungen auf den „Motorcycle Speed Trials“ 14 Tage später. Aber auch dann standen die Wetterzeichen auf Sturm, denn Wind und Wetter ließ keine regulären Fahrten zu. So konnte Günter Retsch nur zwei Runs absolvieren, beim ersten wurde er mit circa 160 Meilen gemessen und dann war mit Wind, Wasser und Warten wieder Salz im Getriebe. Der zweite Run war etwas langsamer und so wusste man, in welche Richtung das Fahrwerksetup einzustellen war. So nahten der letzte Renntag und die letzte Chance, die 200 Meilen für „Ruhm und Ehre“ zu erreichen. Um 5 Uhr Bonneville-Zeit saß die Crew in den Fahrzeugen, um zu den Ersten im Fahrerlager zu gehören und ganz vorne im Vorstart zu stehen. Denn alle hatten nach Wind und Wetter, nassen Füßen, lustigem Drachensteigen und spontanem Fotoshooting quasi die Nase voll und wollten endlich wieder die „Diva“ dröhnen und auf den salzigen Trails auf und davonflitzen sehen. Am Vorstart wurden einige Modifikationen an der Maschine vorgenommen und die Meldungen aus Bonneville klangen sehr hoffnungsvoll: „Die Änderungen an Motor und Fahrwerk werden die ganze Sache in die richtige Richtung bringen“. Dies war dann auch bis zur Messstelle der Fall, wo Günter Retsch kurz vor dem Sturz mit 175 Meilen und damit besser als 2012 gemessen wurde. Für einen offiziellen Rekord hätte diese Leistung in einem zweiten Lauf bestätigt werden müssen. „Leider kam es nicht mehr zum Bestätigungsrun“, erinnert sich Günter Retsch, der mit Vollgas weiter über die Messstelle fuhr und dann mit hoher Geschwindigkeit außerhalb der Piste stürzte. „Ich wollte aufstehen, aber es ging nicht“. Er wurde mit einem Helikopter in das 200 Kilometer entfernte Universitäts-Krankenhaus in Salt Lake City gebracht, wo bei den näheren Untersuchungen klar wurde, was alles gebrochen und verletzt war. In sechs Tagen wurde er viermal operiert und von Ärzten, Pflegern und seiner Ehefrau Peggy Retsch bestens betreut. Drei Wochen nach dem Sturz wurde er in die Uniklinik in Freiburg geflogen, er ist jetzt wieder zu Hause und wird für mehrere Wochen in die Reha gehen. Die „Diva“ wird Ende Oktober in der Heimat erwartet und bis weitere Überlegungen mit dem Team anstehen, heißt das Motto: „Mit Vollgas zum Gesundwerden“.

 

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