„Man muss positiv verrückt sein"

„Now Salt"-Team im Endspurt / Testlauf erfolgreich

Autor: Roland Spether

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Achern. Die „Diva" mit ihrer rassigen Verkleidung in „Perlmut-Metallic" wurde zu einem echten Hingucker und das Prachtstück auf zwei Rädern hat nur eine Mission zu erfüllen: Das Bike muss den Weltrekord von 350 Stundenkilometern auf dem legendären Salzsee im amerikanischen Bonneville (Utah) knacken. Dass dies funktioniert und die Maschine für Ruhm und Ehre Vollgas gibt, ist das Acherner Team von „First Asphalt, Now Salt" felsenfest überzeugt.

Am 13. Juli muss die Rennmaschine der Marke Spezialeigenbau mitsamt dem Transportkombi in Bremerhaven stehen, um mit dem Container über den großen Teich nach Amerika geschippert zu werden. Das Bike wird in dem Kombi mit einer speziellen Vorrichtung festgezurrt und mitsamt dem Transportfahrzeug in den Container verfrachtet. Doch zuvor stand noch eine ganz heiße Prüfung auf dem Terminkalender des Rennteams und vor allem des Fahrers Günter Retsch, denn das Geschoss mit satten 300 PS musste auf einer Strecke unter Ausschluss der Öffentlichkeit getestet und weiter abgestimmt werden. Der 13. Juli sitzt dem Team förmlich im Genick, und daher musste noch einmal Vollgas gegeben werden, um zu testen. Am Freitag ging der Test-Run nun erfolgreich über die Bühne und verlief laut Team „beinahe anstandslos". Über die Seite www.nowsalt.de („News") ist ein Video des Testlaufs zu sehen. „Hammergeil" war die erste Reaktion des Fahrers nach dem Lauf. Die Feinabstimmung erfolgt vor Ort in Utah und vom 24. bis 30. August wird Günter Retsch über die platt gewalzte Piste des Salzsees brettern und auf die Hatz nach dem Rekord gehen. Wie es sich auf dem Bike hinter der roten Verkleidung „liegt", testete Günter Retsch zuvor schon mit der schwarz-weißen Lederkombi und Helm, die er auch beim Rekordversuch tragen wird. Nur sein Rasta- Zopf muss noch ab. Wie viel Arbeit und Liebe im seit zwei Jahren laufenden Projekt und der selbst konstruierten Rennmaschine mit Ducati-Motor stecken, kann auch auf www.nowsalt.de verfolgt werden. Eingestellt ist ein Zeitraffer-Video, das in vier Minuten die sechsstündige Zerlegung des Bike in seine Einzelteile und einen Teil der 16-stündigen Montage dokumentiert. Die ganze Aktion getreu dem Now-Salt- Motto „einfach machen" wurde notwendig, weil der Rahmen in der Autolackiererei Frascoia in Kappelrodeck lackiert wurde. Die „Kappler" Firma gehört mit zu den Sponsoren und hat den ersten Satz der Verkleidung kostenlos lackiert, der zweite folgt noch. Zwei Arbeitstage seien für einen Satz erforderlich, um die Verkleidung zu grundieren, zu schleifen und zu lackieren, so Inhaber Mario Frascoia. Dass er von dem klassischen Ducati- Rot abwich und die Verkleidung mit einer Perlmut-Metallic-Lackierung versah, kam beim Rennteam bestens an. Denn die Gluthitze auf dem Salzsee werde auf der Verkleidung feurig rot flimmern und den Konkurrenten Angst und Schrecken einjagen. Dass das Team auf die Zielgerade eingebogen ist, zeigte zuletzt auch die Tatsache, dass mit Andreas Hoppe ein öffentlich bestellter, vereidigter KfZSachverständiger in der Werkstatt bei Otteni & Strauss war und ein Wertgutachten für Maschine und Einzelteile erstellte. Konkret ermittelte er einen Wiederherstellungswert für den Fall, dass das Bike noch in Deutschland gestohlen oder bei einem Brand zu Schaden kommen würde. Das Gutachten zeige auch dem Versicherer und dem Team auf, welchen Wert sie für den Transport in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten versichern müssen. „Man muss positiv verrückt sein, um so etwas zu bauen", meinte Hoppe, der sichtlich begeistert war vom Bike der Marke Spezialbau, in dem wohl weit über 3 000 ehrenamtliche Stunden stecken. Ganz zu schweigen vom materiellen Wert und Leistungen der Sponsoren, ohne die der Rekordversuch „auf Salz" unmöglich sei.