„Mission Weltrekord mit der Startnummer 48 „Jetzt gibt es nur noch Vollgas"

Das Acherner „Now-Salt-Team biegt in die Zielgerade ein

Autor: Roland Spether

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Achern. Die „Mission Weltrekord“ mit der „Diva“ auf zwei Rädern rückt immer näher. Mit satten 300 PS ist das Bike des Acherner Teams „First Asphalt, Now Salt“ eine ganz heiße Kiste, mit der Günter Retsch – wie bereits ausführlich berichtet – in wenigen Wochen auf dem legendären Salzsee im amerikanischen Bonneville (Utah) einen Weltrekord mit über 350 Stundenkilometern aufstellen will.

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In dem Projekt steckt viel Arbeit. „Wenn alles gelaufen ist, möchte ich ganz normal auf ein Motorrad steigen und gemütlich spazieren fahren“, sagt Günter Retsch und Daniel Grießmayer kann seinen Teamkollegen voll und ganz verstehen: „Ich sollte mal wieder zu Hause den Rasen mähen“. Doch bis dahin werden alle Akteure von „First Asphalt, Now Salt“ – „Zuerst Asphalt, nun Salz“ noch jede Menge Schraub- und Tüftelarbeit investieren müssen, um sich den Traum vom Weltrekord mit der selbst konstruierten Rennmaschine mit Ducati- Motor zu erfüllen. „Wir sind auf der Zielgerade, jetzt gibt es nur noch Vollgas“, so Fahrer Günter Retsch, der „viel Lust“ hat, mit dem PS strotzenden Bike über den Salzsee zu brettern. Doch zuvor muss noch eine entscheidende Frage geklärt werden, wann und um wie viele Zentimeter der herrlich lange Rastazopf passgenau für den Helm und die Lederkombi gekürzt wird. „Dazu brauchen wir nicht lange, in 20 Sekunden ist der weg“, frozzelt Daniel Grießmayer, und der Racer muss wohl oder übel auf einen Teil seiner 20 Jahre lang gehegte und gepflegte Haarpracht verzichten. Doch darüber macht sich der begeisterte Biker, der als Dragster-Racer von 1995 bis 2001 erfolgreich Gas gab, noch kein Gedanken. Da er das Feeling bei 300 Kilometern kennt, hat er Respekt vor der rasanten Geschwindigkeit und weiß, was auf ihn zukommt. Für Sport oder ein spezielles Training hat er dennoch keine Zeit. „Arbeit ist auch Sport“ flachst der „Chefschrauber“ und verweist auf die heiße Phase, wenn er die Maschine in Utah testet und vom 24. bis 30. August den Salzsee bei der Hatz nach dem Rekord unter die Räder nimmt. Aerodynamik, Traktion und Reifen seien entscheidende Kriterien bei dem Racing mit über 350 „Sachen“ über die platt gewalzte Piste, Feinheiten würden noch vor Ort abgestimmt. Nach der Idee bei einem Dragster- Rennen in England 2010 mit Junggesellenabschied packte die Biker das Rennfieber getreu ihrem Motto „einfach machen“. Danach ging das eingeschworene Team mit derzeit 15 Leuten mit Top-Speed an Planung, Konstruktion, Tests und Sponsoring. Aus dem „mol gucke, was die mache“ wurde bei so manch kritische Beobachter ein verdutztes „hoppla, die machen ja Ernst“, so Günter Retsch. Im Mai bestand der Motor einen Stresstest bei den Tuning-Spezialisten Hestec in Finnland, die den Motor sechs Stunden auf Herz und Nieren prüften, die Feinabstimmung vornahmen und die Power bis knapp unter die Leistungsgrenze trieb. Anfang Juni trafen in der Werkstatt von Otteni & Strauss die drei Sätze Verkleidungen ein, die von der Firma Cotesa in Sachsen, ein Spezialist für Faserverbundwerkstoffe für die Luftfahrt gefertigt und gesponsert wurden. Die Verkleidung wird derzeit dem Bike angepasst, die Lackierung erfolgt in Ducati- Rot. Eingetroffen ist auch die Teilnahmebestätigung und die Startnummer: „Welcome to the BUB Motorcycle Speed Trials 2012 – Your motorcycle number has been confirmed as 48“. Zwischen 35 000 und 40 000 Euro beträgt das Kostenvolumen für das Projekt ohne die anstehenden Kosten für drei Wochen USA, doch über viele Sponsoren und Geld aus der eigene Schatulle der Teammitglieder kam „Eine Stadt gibt Gas“ ins Rollen. „Wir wollen fahren, und wir werden fahren“, so Günter Retsch und lässt nicht den geringsten Zweifel aufkommen, dass er den Weltrekord mit nach Achern bringt. „Wir fahren für Ruhm und Ehre und wenn wir den Pokal gewinnen und noch Preisgeld bekommen, dann wird das gleich bei einem Fest weggehauen“.